Ein Fehler beim Investieren und das ganze Geld ist weg? Das klingt nach Albtraum, Stress und Kopfzerbrechen. Filme und Bücher sind voll von Geschichten, die Geld investieren riskant erscheinen lassen. Wie als würde man im Casino alles auf Rot setzen und danach bestimmt bankrott sein. In Wirklichkeit können dir schon ein paar einfache Tipps und Tricks dabei helfen, die größten Anfängerfehler beim Investieren zu vermeiden. 

Dieses Handbuch wird dir dabei helfen die häufigsten und ärgerlichsten Fehler beim Investieren zu vermeiden und von Tag 1 wie ein Profi in die Investment-Welt zu starten.

Speed Read:

1. Tilge deine Schulden und vergiss nicht zu sparen 

2. Investiere nicht dein ganzes Geld

3. Diversifiziere dein Portfolio

4. Mach deine Recherche 

5. Basiere deine Investitionsentscheidungen auf Fakten, nicht auf Emotionen

Investieren lohnt sich auf jeden Fall, auch für dich - aber erst, wenn du deine grundlegende finanzielle Situation geordnet hast. 

Die 50/30/20-Regel empfiehlt, nicht mehr als 50 % des Einkommens für lebensnotwendige Dinge wie Wohnen und Essen auszugeben, 30 % für Freizeit und zur Vergnügung, und die restlichen 20 % zu sparen oder zu investieren

Geld investieren: Die 50/30/20 Regel

Solange du kurzfristige Schulden hast und über keine Notfall-Rücklagen verfügst, solltest du diese 20% am Besten nicht direkt investieren, sondern stattdessen in diese beiden finanziellen Ziele stecken.

Während langfristige Schulden, wie eine Hypothek oder ein Studentenkredit, parallel zu deinen Investitionen abbezahlt werden können, sollten kurzfristige Schulden – wie Kundenkarten, Kreditkarten und Privatkredite – abbezahlt sein bevor du mit dem Investieren beginnst. Diese haben in der Regel höhere Zinssätze, was bedeutet, dass es dich mehr kostet, die Schulden nicht zu tilgen, als du wahrscheinlich an Investitionsgewinnen zurückbekommst. 

Wenn du mehr als einen Kredit abbezahlen musst, hilft es herauszufinden, welcher den höchsten Zinssatz hat, und diesen zuerst zu tilgen. Sobald dieser abbezahlt ist, gehst du zum zweithöchsten Zinssatz über und so weiter. 

Es ist außerdem wichtig Ersparnisse anzulegen, auf die du im Bedarfsfall schnell zugreifen kannst. Nur ein Drittel der jungen Menschen in Deutschland spart schon für die Rente. Die meisten jungen Menschen haben somit kein großes finanzielles Sicherheitsnetz.

Experten empfehlen, 3-6 Monate deiner monatlichen Lebenshaltungskosten an Ersparnissen zu haben. So hast du, falls du krank wirst oder deine Haupteinkommensquelle verlierst, Zeit dich zu erholen – ohne ständige Gedanken über deine schwinden Lebensgrundlagen. 

Es führt kein Weg daran vorbei: Der Wert deiner Investitionen kann sowohl steigen als auch fallen, was bedeutet, dass immer die Möglichkeit besteht, dass du dein Geld verlierst. Bei einer solchen Volatilität macht es keinen Sinn, alles zu investieren, was du an Geld besitzt. 

Wie viel solltest du also investieren?

Die wichtigste Regel vorab: Investiere nie mehr, als du dir leisten kannst im schlimmsten Fall zu verlieren. Dazu gehören die Mietzahlung des nächsten Monats, ein Kredit für ein zukünftiges Haus, oder Geld das du für den nächsten Urlaub brauchst. 

Nimm dir ein bisschen Zeit und skizziere dir einen groben finanziellen Zeitplan für deine Zukunft, der deine großen Ausgaben oder Anschaffungen für die kommenden Jahre hervorhebt, wie z. B. Häuser, deine Ausbildung (oder die Ausbildung deiner Kinder) und schließlich den Ruhestand. Dies sollte dir ein ungefähres Gefühl dafür geben, wie viel und wann du Zugriff auf dein Vermögen benötigen wirst. 

Für jedes finanzielle Ziel, das weiter als fünf Jahre in der Zukunft liegt, lohnt es sich zu investieren. Je weiter weg das Ziel, desto risikoreicher können deine Investitionen sein, da du genügend Zeit hast, dich von jedem finanziellen Abschwung zu erholen. 

Es mag zwar verlockend sein, in die neuesten “Schlagzeilen machenden” Aktien wie Zoom und Tesla zu investieren, doch damit setzt du dein Geld einem ernsthaften Risiko aus, wenn bei diesen Unternehmen etwas schief läuft und die Aktienkurse einbrechen.

Anstatt all dein Geld in eine risikoreiche Aktie zu investieren, solltest du ein diversifiziertes Portfolio anstreben. Bei der Portfoliodiversifizierung geht es einfach darum, nicht all dein Geld in einen Topf zu werfen. Es gibt zwei verschiedene Wege, dies zu realisieren.

Der erste Weg geht über die Art der Vermögenswerte, in die du investierst. Zu den verschiedenen Anlageklassen gehören unter anderem Aktien, Anleihen, Fonds, ETFs, Gold und Bargeld. Es ist ratsam, dein Geld zwischen solchen Anlagen zu verteilen, die hohe Erträge liefern und risikoreicher sind (wie beispielsweise Aktien) und solchen, die geringere finanzielle Erträge bieten, aber zuverlässiger sind (wie Anleihen). 

Du profitierst nicht nur von dieser Vielfalt, solange sich die Finanzmärkte wie erwartet verhalten, sondern auch von dem unterschiedlichen Verhalten der verschiedenen Anlageklassen in Zeiten finanzieller Turbulenzen. Während einer Rezession fallen beispielsweise die Aktienkurse tendenziell, während der Goldpreis steigt.  

Die Idee ist, dass du mit deiner Investition in verschiedene Anlageklassen die Verluste in einem Bereich mit Gewinnen in einem anderen ausgleichen kannst . Die 5/25-Regel empfiehlt hierbei in fünf verschiedene Anlageklassen und jeweils nicht mehr als 25% in jede dieser Anlageklassen zu investieren.  

In einem nächsten Schritt kannst du dein Portfolio weiter diversifizieren, indem du von Hand eine breite Palette an Aktien auswählst, in die du investieren möchtest. Durch die Auswahl von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen, mit unterschiedlicher Größe und an unterschiedlichen Standorten bist du vor schwerwiegenden Verlusten geschützt, die durch branchen- oder länderspezifische finanzielle Ereignisse entstehen können. 

Wenn du selbst Aktien auswählst, in die du investieren willst, musst du deine Hausaufgaben machen. Es ist wichtig, den Hintergrund des Unternehmens zu kennen, wie es sich in der Vergangenheit entwickelt hat, wie es sich in der Zukunft entwickeln wird und wie es sich im Vergleich zu seinen Konkurrenten schlägt. 

Als erstes solltest du das Börsenkürzel herausfinden, mit dem das Unternehmen an der Börse gelistet wird. So kannst du dir mit einem schnellen Blick online ein Bild davon machen, in welche Richtung sich die Aktien des Unternehmens bewegen. Unten kannst du sehen, dass der Aktienkurs von Apple im letzten Jahr gestiegen ist und (zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels) bei 113,85 $ pro Aktie liegt.

Geld investieren: Apple Aktie

Aber es gibt noch viel mehr herauszufinden.  

✓ Schau dir die aktuelle Performance des Unternehmens an. Steigt oder sinkt der Aktienkurs? Besteht die Gefahr, dass du die Aktie zu ihrem Höchstwert kaufst, oder glaubst du dass der Preis weiter steigen wird? Falls der Preis niedrig ist, gibt es eventuell eine Gelegenheit, günstig zu kaufen, bevor der Wert steigt. 

✓ Schau dir die Investor Relations Informationen des Unternehmens an. Diese enthält eine Fülle an Informationen über alles was du wissen musst, bevor du dein Geld in dieses Unternehmen steckst. Einschließlich finanzieller Performance, Pressemitteilungen und der Historie der Dividendenzahlungen.  

✓ Lies das 10-K (so wird in der EU der Jahresfinanzbericht genannt). Es ist ein umfassender Bericht, der die Geschichte des Unternehmens, die Jahresabschlüsse, die Gewinne, die Vergütung der Führungskräfte und andere relevante Informationen enthält. 

✓ Überlege dir, ob das Unternehmen zu deinen Werten passt. Gehört es zu einer Branche, die du unterstützen möchtest? Schätzt du das Verhalten des Unternehmens als verantwortungsvoll ein? Lies vielleicht die neuesten Artikel über das Unternehmen, um zu sehen, ob es in letzter Zeit negative Schlagzeilen gemacht hat. 

Wenn sich das alles nach einer Menge Hausaufgaben anhört (oder du dir unsicher bist, wann genug Recherche zu zu viel Recherche wird), könnte es sich lohnen eine Fachperson zu Rate zu ziehen. Ein*e Finanzberater*in oder ein*e Makler*in mit umfassendem Service hat das nötige Fachwissen, um dich bei der Wahl deiner Investitionen zu beraten. Alternativ kannst du auch in einen Investmentfonds investieren. Sie sammeln Kapital und investieren dieses entsprechend der im Fondsprospekt vorgegebenen Anlageziele dann für dich weiter.

In beiden Fällen ist es wichtig, dass du die anfallenden Gebühren genau verstehst. Im Wesentlichen muss die Beratung oder der Fonds zu einem Gewinn führen, der höher ist als der Betrag, den du dafür bezahlst. Wenn also dein Investmentfonds mit einer Gebühr von 1,5% verbunden ist, muss deine Investition um mehr als 1,5% wachsen, um dies zu rechtfertigen. 

Es ist leicht, sich von Schlagzeilen mitreißen zu lassen, und das zu tun was alle anderen scheinbar für richtig halten. 

Das ist eines der häufigen Merkmale von Finanzcrashs, bei denen sich eine zunehmende Panik in der Investmentwelt ausbreitet, bis jeder verzweifelt versucht seine Aktien zu verkaufen, bevor sie völlig wertlos werden.  

Umgekehrt lässt man sich leicht von der Begeisterung für ein Unternehmen anstecken, über das alle reden. Dann kauft man vielleicht Aktien die ihren Höchststand schon erreicht haben und kurz davor sind, wieder an Wert zu verlieren. 

Es ist eine universelle Wahrheit, dass die Märkte auf und ab gehen. 

Ein Blick auf die Grafik unten reicht: Diese zeigt die Performance des S&P 500 in den letzten 20 Jahren. Wie du siehst gab es immer wieder Abschwünge - vor allem in den Jahren 2008, 2009 und 2013 - aber der allgemeine Trend war aufwärts gerichtet. Während es also verlockend gewesen wäre, alle Vermögenswerte während dieser Abschwünge zu verkaufen, sind es diejenigen, die an ihnen festgehalten haben, die heute die relativen Höchststände des Marktes genießen. 

Geld investieren: Handle nach Fakten, nicht nach Emotionen

BASISIEREND AUF: MACROTRENDS.NET

Auch wenn es sich falsch anhört: Einfach nichts zu tun, kann oft das beste sein. Die Märkte fallen zwar, aber bisher sind sie danach immer wieder gestiegen, so dass es nur darauf ankommt, die Nerven zu behalten - und deine Investitionen.

Es gibt jedoch auch Zeiten, in denen du deine Anlagen verkaufen solltest, oder dich ganz von einer bestimmten Branche trennen solltest. Immer mehr Menschen trennen sich beispielsweise von Unternehmen, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten, weil diese Branche auf lange Sicht untergehen wird und damit nicht mehr rentabel ist. 

Behalte deine Investitionen immer mal wieder im Auge und überlege dir, ob sie noch für dich arbeiten. Bist du immer noch glücklich, dieses Unternehmen zu unterstützen? Ist die Branche auf Wachstumskurs, oder glaubst du, dass es einen globalen Rückgang geben wird? 

Erst recht, wenn du in einzelne Aktien investierst, solltest du deren Entwicklung regelmäßig überwachen. Alternativ kannst du auch in Investmentfonds oder ETFs investieren. Dann liegen diese Entscheidungen allerdings bei dem Fondsmanager. 

Fazit

Die Investment-Welt ist voll von Jargon, Gatekeepern und Mathematik. Da ist es verständlich, dass die große Mehrheit von uns das Investieren lieber den “Experten” überlässt. Letztendlich gibt es aber nur ein paar wichtige Fehler beim Investieren, die es zu vermeiden gilt. Die Expertise und das Know-How kommen mit der zunehmenden Erfahrung. 

Besonders dein Gefühl dafür, wann du kaufen und wann du verkaufen solltest, kommt mit der Zeit. Wenn du dich also dafür entscheidest eigenständig in Aktien zu investieren, solltest du mit kleinen Geldbeträgen experimentieren, bevor du deine Ersparnisse einsetzt. Viele Apps (so wie RobinHood, oder Trade Republic) ermöglichen es dir, gegen eine geringe Gebühr Anlagen zu kaufen und zu handeln, und bieten so einen guten Einstieg. 

Alternativ kannst du auch in einen Investmentfonds investieren oder einen Full-Service-Broker nutzen und so diese Entscheidungen in die Hände von Experten legen. Damit kannst du dann (hoffentlich) einfach zusehen, wie deine Investitionen wachsen. 

Susi Weaser
Susi ist Content-Spezialistin bei Cooler Future mit großem Interesse für alle Klimarelevanten Themen.